Mit dem Binselberg können wahrscheinlich die Wenigsten etwas anfangen und ihn den Anstiegen des nördlichen Odenwaldes zu ordnen. Doch die meisten Radler, die im Kreis Darmstadt-Dieburg unterwegs sind, haben bestimmt schon oft von weitem die weißen Windräder auf dem Binselberg erblicken können oder zählen diese sogar zu ihren Tourstationen. Der Binselberg mit seinen erreichbaren 367m ü.N.N. ist wahrhaftig nicht ein großes "Tourziel", geschweige denn ein Berg, dessen Erklimmung dem Sportler viel abverlangt. Aber die 4 möglichen Varianten, die Höhe der Windräder zu erreichen, lassen diesen Berg getrost abwechslungsreich in die Odenwald Touren mit einbeziehen.
Landschaftlich haben alle Variationen ihre Reize, wobei während der Auffahrten von Klein-Umstadt und derer über Raibach schon früher weitreichende Blicke zu genießen sind. Spätestens am Ziel aber kann ein jeder einen Blick über das Gebiet zwischen Dieburg und Otzberg bekommen. Gerade im Morgennebel sticht die Veste Otzberg geheimnisvoll hervor und ragt administrativ über den Ortschaften. Alle 4 Aufstiegsvarianten zeichnen sich zudem mit geringem Verkehrsaufkommen und gut asphaltierten Straßen aus.
Nord-Ostanstieg, Start in Radheim
3,9 km, 159 Höhenmeter, Ø-Steigung 4,1%, Schwierigkeit:
Verlässt man Radheim gen Westen auf der Klein-Umstädter-Straße, so befindet man sich am Ausgangspunkt dieses Anstieges. Auf den ersten 1,4 km kann man kaum Höhenmeter sammeln, das Terrain ist etwas wellig und bei Gegenwind sehr unangenehm zu fahren. Doch genauso schnell wie man dieses erstes Stück hinter sich gelassen hat, ändert sich die Steigung im nun folgenden Abschnitt. Auf Höhe des Häuserhofs erblickt man die 3 Kurven, die das steilste Stück der Auffahrt kennzeichnen. Zwar ist dies lediglich nur ein Anfang einer Serpentine, doch die 400m mit 9-13% Steigung können viel Kraft kosten, sofern nicht frühzeitig ein kleinerer Gang gewählt wurde (Bilder). Daran anschließend folgt eine lange gerade, die den Anschein erwecken könnte, nach dem steilen Stück wieder Tempo aufnehmen zu können. Doch steil ist es auch hier, mit 7-10% zwar nicht extrem, aber zum Verschnauffen bleibt hier wenig Zeit. Ist dieser Teil geschafft, bleibt bis zum Wald mit 2-4% Steigung die Gelegenheit, Kraft für die letzten Meter zu sammeln. Im Wald wird es nochmal etwas steiler, aber bald kann man den Hinweis auf einen Parkplatz entdecken und die letzten Höhenmeter in Angriff nehmen. An der T-Kreuzung biegt man links ab (geradeaus geht es abwärts nach Klein-Umstadt) und befindet sich nun am Sockel der beiden Windräder auf ca. 325m ü.NN. Weitere 40 Höhenmeter folgen bei der Weiterfahrt richtung Dorndiel/Wald-Amorbach, fährt man nach Groß-Umstadt, so hat man direkt eine Abfahrt über die Ortschaft Raibach vor sich. Die Straße dieses Nord-Ostanstieges ist in gutem Zustand und wird nur von wenig motorisiertem Verkehr befahren.
Nord-West-Anstieg, Start in Klein-Umstadt
4,7 km, 157 Höhenmeter, Ø-Steigung 3,4%, Schwierigkeit:
Der Anstieg beginnt an der einzigen Ampelkreuzung auf der Durchfahrtsstraße in Klein-Umstadt. Mit dem Verlauf der Bahnhofsstraße werden in Klein-Umstadt auch schon die ersten Höhenmeter gesammelt, wobei bei einer Steigung von 1-4% keinerlei Probleme auftreten dürften. Am Ende der Häuserfassaden knickt die Vorfahrtsstraße, der wir weiter folgen, scharf rechts ab und wir fahren geradezu in die erste kleine Rampe. Stiche von 5-8% folgen erneut wenige Meter danach, bevor man bei sehr geringer Steigung mit Blick auf die rechts liegenden Groß-Umstädter Weinhänge auf die nächste Kurve zurollt. Diese Kurve zieht sich um fast 130°, somit wird zuvor empfundener Rückenwind zum plagenden Gegenspieler und umgekehrt. Schon in der Kurve kann man die Windräder sehen und hat hier außerdem die Möglichkeit, über einen asphaltierten Weg in Richtung Raibach/Groß-Umstadt den Anstieg und somit die verbleibenden 100 Höhenmeter links liegen zu lassen. Wer dem Aufstieg weiter folgen will, folgt einfach der Kurve und fährt wie zu sehen mit der Straße in das Bild hinein. Die Steigung beträgt vorerst nur 3-5%, doch sobald die ersten Bäume den rechten Fahrbahnrand säumen, nimmt sie stetig zu und weist im Finalstück Werte zwischen 7-11% auf. Man trifft auf die T-Kreuzung und biegt nach rechts ab, wenige Meter später befindet man sich direkt am Fuße der Windräder. Wie schon oben beschrieben hat man ab hier verschiedene Möglichkeiten der Weiterfahrt.
Ost-Anstieg über Raibach, Start in Groß-Umstadt
5,1 km, 169 Höhenmeter, Ø-Steigung 3,4%, Schwierigkeit:
Am Orstende von Groß-Umstadt in Richtung Richen und Babenhausen geht es rechts ab in den Anstieg. Die ersten Kilometer sind recht flach, die Straße steigt nur leicht und gleichmäßig an Richtung Raibach. Bei dem oft herrschenden Gegenwind ist es allerdings etwas schwieriger. In Raibach wird die Straße ein wenig steiler und zieht sich durch den Ort. Nach Raibach geht es immer wieder am Wald oder im Wald entlang, die Straße wird kurviger und es gibt zwei Serpentinen, die sehr breit und weit sind. Die Steigung übersteigt nie 7% und ist sehr konstant bis zur T-Kreuzung, an der es links zu den Windrädern und gerade aus zum höchsten Punkt auf dem Weg nach Dorndiel weiter geht. Der Anstieg ist sehr einfach zu fahren, da die Steigung sehr konstant ist und nie Werte über 7% annimmt.
Eine Variante des Anstieges bietet sich in Raibach. Man biegt links ab in die erste Straße (Ohlbachweg) und befindet sich gleich in steilen 500m, bis man den Ort auf einem Radweg verlässt. Die Straße fällt zunächst nochmal ab, um dann für knapp 1 km steil und voll der Sonne ausgesetzt zur 130°-Kurve des Anstieges von Klein-Umstadt führt. Im Winter allerdings ist diese Variante sehr schön, wenn man nicht in den kalten Wald hinauf fahren möchte und sich ein paar Höhenmeter sparen will.
Westanstieg über Dorndiel, Start in Wald-Amorbach
4,8 km, 158 Höhenmeter, Ø-Steigung 3,3%, Schwierigkeit:
Der eigentlich Start des Anstiegs ist in Dorndiel, aber auch vorher steigt die Straße wellig an. Immer wieder geht es leicht bergauf und bergab in Richtung Dorndiel, in der Tendenz aber berghoch, weswegen dieses Stück sehr schwierig zu fahren ist und kein richtiger Rhythmus aufkommen kann.
Sobald man auf seiner Linken die Ortseinfahrt nach Dorndiel erblickt, beginnt der eigentlich Anstieg. Es folgt gleich der schwerste und steilste Teil der Strecke, Steigungswerte bis 8% können dem Tacho entnommen werden, aber auch kein Wunder, schließlich erreicht man bei Abfahrt auf diesem Stück in guter Position Tempo 70! Es geht dann recht konstant mit 5-7% die neu ausgebaute und super asphaltierte Straße hinauf, die sich kaum merklich in einer leichten Linkskurve bis zum Waldrand erstreckt. Und genau bis dahin liegt der Anstieg auch vollkommen ungeschützt, an sonnigen Tagen brennt die Sonne und erschwert die Auffahrt doch merklich. Also mehrere Gründe sch beim Ankommen im Wald zu freuen, denn kurz darauf lässt auch die Steigung nach und der aufkommenden Fahrtwind sowie der Schatten kühlen an Hochsommer-Tagen und lassen die restlichen leichten Höhenmeter angenehm vergehen.
Die Daten im Höhenprofil stammen aus der Auffahrt bis zum Parkplatz auf der rechten Seite im Wald. Hier hat man ungefähr die höchste asphaltierte Stelle des Binselberg erreicht. Danach folgt geradeaus die Abfahrt über Raibach nach Groß-Umstadt, fährt man zu Beginn der Abfahrt aber rechts, so landet man am Sockel der beiden Windräder und kann die Fahrt nach Klein-Umstadt oder Radheim fortsetzen.
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