Die ersten Meter...Landry - Bourge St. Maurice - Landry15,3 km - 170 Hm Mein Genetik-Praktikum ist endlich vorbei, die Protokolle abgegeben und die Sachen gepackt. Wieder überkommen mich die Gedanken an die Diplomprüfungen und liegen mir schwer im Magen, als ich vor dem Aldi auf Jens warte. Mein Halsweh ließ mich die ganze Woche nicht in Ruhe und Jens Knie zeigte auch keine Besserung. Trotzdem kommt die Freude auf die bevorstehende Woche hinzu. Zwar ist auch die Wettervorhersage nicht allzu gut, aber was sollten wir machen…die Wohnung ist gebucht und keiner will die Reise absagen. Um 4.50 Uhr am Samstag morgen klingelt der Wecker, ich quäle mich aus dem Bett und mache mich direkt auf den Weg, noch Geld abzuheben. Wie der Zufall so will (Murphy’s law trifft immer zu!), streikt genau an diesem morgen meine Kontokarte, was den Stress nicht reduziert. Irgendwie bekomme ich die Probleme in den Griff, die letzten Sachen eingepackt und nun heißt es warten auf Jens…von wegen viertel vor sechs…
Die Fahrt ist anfangs relativ angespannt, keiner weiß so recht, was in Frankreich geschehen wird: Hält Jens’ Knie? Bricht bei mir eine Erkältung aus? Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Woche ist ungebrochen. Die Fahrt verläuft reibungslos bei schönstem Wetter (zumindest bis wir Genf erreichen). Der Versuch, die Frankreicher Autobahn und somit auch die Maut zu umgehen, scheitert kläglich, weshalb wir den Umweg über den Col des Aravis (Bild rechts) fahren. Schon hier sehen wir viele Rennradfahrer, die sich diesen mittelschweren Pass hinauf quälen. Bei fast 30°C und Sonnenschein erreichen wir um 16 Uhr das kleine Örtchen Landry im Isére-Tal und fahren geradewegs an unserer Ferienwohnung vorbei. Unscheinbar, als Erdgeschoss in einem rustikalen Haus, zeigt sich dann diese kleine, aber feine Wohnung, die für eine Woche unser Quartier werden sollte. Sogar für die Räder haben wir ein kleines Gartenhäuschen und zudem stehen uns Liegestühle und Tisch im Garten zur Verfügung.
 Wir sind platt von der fast zehnstündigen Autofahrt, entschließen uns aber, doch noch mal aufs Rennrad zu steigen und Bourge St. Maurice zu erkunden. Also schnell in Radklamotten und Schuhe geschlüpft, das Rennrad bereit gemacht und losgerollt. Die ersten Meter in Frankreich fühlen sich komisch an, der Hals tat weh und Jens Knie scheint förmlich auf einen Fehltritt zu warten. Doch Radfahren in einer so tollen Gegend lässt schnell jede Sorge vergessen. Wir rollen leicht wellig nach Bourge St. Maurice (Bilder rechts und links) und lesen gleich die Schilder, die auf den Col du Petit St. Bernard und den Cormet de Roselend hinweisen. Die umliegenden Berge erwecken Eindruck und alles zusammen macht Lust auf mehr. Jens verstellt noch mal seine Cleats (m.M.n. ein ungünstiger Zeitpunkt), bevor wir uns auf die Suche nach dem Radweg nach Landry machen. Leicht zu finden und super zu fahren zeigt sich dieser Weg, der sich wie eine Straße durch das Isére-Tal zieht, doch fern von jeglichem Autoverkehr (Bild unten). Als Bonus geht es von Bourge St. Maurice stetig bergab, so dass wir gut ausrollen können. Der kurze Schlussanstieg bis zu unserer Ferienwohnung stellt heute noch kein Problem dar.
Meine Halsschmerzen sind noch nicht ganz weg, aber das Radfahren bessert unsere Problemchen doch erheblich. Also abends noch nen warmen Tee getrunken, gut gegessen und rechtzeitig ins Bett (vorher natürlich in einem Pokerspiel entschieden, wer in der Küche zu pennen habe…einer der seltenen Siege von Jens), voller Vorfreude und Anspannung was den nächsten Tag betrifft. Die Planung sagt: Kleiner St. Bernhard als Einstiegspass, Abfahrt nach Morgex und überlegen, ob von hier wieder der Kleine St. Bernhard oder der Colle San Carlo in Angriff genommen werden soll. Hätten wir hier doch nur gewusst, was uns alles an diesem Sonntag erwartet…
(Bericht: snowbenji) |