Rennrad-Fieber
 
Samstag, 4. Februar 2012
Frankreich - Tour 3

Profil der dritten Tour

Hitzeschlacht am TOUR Klassiker

Col de la Madeleine

95 km - 2980 Hm 

 

Benni im Südanstieg zum MadeleineAuch am heutigen morgen standen die Zeichen genau richtig für einen wunderschönen Tag in den französischen Alpen. Die Sonnenstrahlen durchkreuzten unsere Wohnung und Benni´s Außenthermometer zeigte schon angenehm erscheinende Werte an. Die Anstrengungen der ersten Tage steckten zwar spürbar in den Beinen, doch allein der Gedanke an den heutigen Pass ließen dies nebensächlich werden: Der Col de la Madeleine! Jener Pass, der schon 22 Mal im Programm der Tour de France stand und als „Hors Catégorie“ oft Entscheidungsort von Sieg und Niederlage war. Wir waren über die Schwierigkeit dieses Passes informiert und sprachen auch an diesem morgen über Länge und Steigung des Anstieges, bevor beim Frühstück dann eine angespannte Ruhe einkehrte.

Zum ersten Mal verließen wir Landry mit Auto, die Bikes auf dem Gepäckträger und fuhren nach La Léchère (nahe Moûtiers), unserem Startort. Dies war zwar nervig, leider aber unumgänglich, um nicht eine rekordverdächtig lange Tour bestreiten zu müssen.

Endlich saßen wir auf dem Rad und stiegen schon nach wenigen Metern in den Nordanstieg zum Col de la Madeleine ein. Von Wald umschlossen, schlängelt sich die steil ansteigende Straße in Serpentinen schnell den Berg hinauf. Serpentinen machen einfach SpaßWie fast immer ging ich die Auffahrt sehr besonnen an und ließ Benni ohne jegliche Gegenwehr davonziehen, der früher seinen Rhythmus finden konnte und einfach gute Beine verspürte. Er fuhr einen großen Vorsprung heraus, doch mir war bewusst, dass ich mich noch beträchtlich steigern könne und genoss so erst einmal die abwechslungsreiche Auffahrt. Vorbei an verschlafenen Dörfern, führte die Straße nun dichter am Hang entlang und eröffnete erste Blicke auf Umgebung, ließ aber nicht erahnen, wie es nun weitergehen würde. Allmählich war die Muskulatur gut aufgewärmt, der Kreislauf im hohen Rhythmus und das Knie versprühte keinerlei Schmerz. Also stieg ich aus dem Sattel, schaltete einige Gänge schwerer und begann zu beschleunigen, vermutete allerdings nicht, Benni so schnell wieder einholen zu können. Doch schon bald sah ich ihn in einer Serpentine, mit der Kamera bewaffnet auf ein schönes Motiv wartend. Er hatte nur kurz Gelegenheit den Abzug zu drücken, denn gerade in diesen Serpentinen drängte es mich, noch eine Schippe drauf zu legen. Nun nahm Benni die Verfolgung auf und wir quälten uns in hohem Tempo durch den wohl schwersten Teil des Anstieges, einem ca. 6 Kilometer langen Abschnitt, der von 6% ausgehend bis in den zweistelligen Steigungsbereich anwächst und weitgehend komplett der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Ich konnte mein Tempo halten und ließ Benni erst in einem 2% Flachstück wieder vorbeiziehen, wo ich mich verpflegte und es ihm mit der Kamera gleich tat.

Blick zurück auf die TarentaiseIn einiger Entfernung konnten wir andere Radfahrer ausmachen, doch beim Wechsel auf mein kleines Blatt landete die Kette auf dem Tretlager und ließ eine „Aufholjagd“ zunichte werden, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Wir setzten unsere Fahrt normal fort und erreichten schließlich die letzte Serpentinengruppe vor der Passhöhe. Der Blick zurück war phänomenal: Er erlaubte Rückverfolgung des Anstieges und gab nun schneebedeckte Gipfel preis, die nach und nach am Horizont auftauchten. Dieser Anblick beflügelte zwar ungemein, zugleich wurde man in dieser Verharrung aber gebremst und wollte soviel wie möglich davon aufsaugen. Vorbei an zwei französischen Tourenfahrern, die mit schwerem Gepäck auf der Straße zu kleben schienen, befanden wir uns endlich am Col de la Madeleine.

Schon viele Radfahrer und Touristen belebten die sehr übersichtliche Passhöhe, die neben dem auf einem Thron gestellten Passschild eine Gaststätte mit Sonnenterrasse zu bieten hatte. Wir verpflegten uns mit eigenen Reserven und mussten einander eingestehen, dass diese Auffahrt extrem anstrengend und der Gedanke an einen noch steileren Gegenanstieg fast beängstigend war. Dennoch begaben wir uns, startend wie eine Achterbahn ins Ungewisse, in die Abfahrt Richtung La Chambre. Straßenkunst am MadeleineDie Straße ist sehr gut ausgebaut, bietet dennoch auf Grund der unzähligen Kurven keine Hochgeschwindigkeitsabfahrt. Der Spaß verging dann im unteren Abschnitt der Abfahrt. Gebremst durch regen Verkehr in beide Richtungen, ging es langsam durch lang gestreckte Serpentinen und die Hitze verursachte unter der Windschutzjacke einen unangenehmen Schweißpegel. In La Chambre konnten wir diese endlich wieder ablegen, doch die nun um die Mittagszeit einfallende Hitze war erdrückend. 41°C zeigte mein Polar Computer in der Sonne, genauso wie wir es ertragen mussten.

 Wir am Col de la Madeleine

Die Suche nach einem Supermarkt beendeten wir mit Blick auf die Uhr und füllten so die Flaschen an einem Brunnen, um die Südanfahrt direkt wieder in Angriff zu nehmen. Der Rucksack wanderte auf meine Schultern und sollte im Laufe der Auffahrt noch beste Dienste leisten. Die Hitze war einfach heftig, wir schütteten das Wasser in und auf uns, um jede erdenkliche Kühlwirkung auszunutzen. Doch das war nur das kleinere Problem, schließlich befanden wir uns auf der schweren Seite und hatten 20 Kilometer mit durchschnittlich 7,5% Steigung zu bewältigen. Ein wahres Monster

 

Panorama auf der Südseite

Ungefähr die Hälfte des Anstieges fuhren wir Seite an Seite und kehrten ausgetrocknet in einem kleinen Skiort an die Bar eines Gasthauses. Die Cola war unbeschreiblich lecker und unseren Spaß hatten wir auch, als wir der französischen Bedienung ein deutsches “Verrückt!“ entlockten. Der ihrige Hinweis, das Schlimmste sei nun aber überstanden, konnten wir auf den restlichen Kilometern nicht ganz nachvollziehen. Unaufhörlich stieg die Straße den Berg empor und machte keinerlei Anstalten, dabei längere Zeit zu trödeln und uns eine Verschnaufpause zu gönnen. Der Rucksack brachte zwar Gewicht mit sich, verschaffte mir dennoch den Vorteil, viel Wasser trinken zu können. Ich setzte mich allmählich von Benni ab und fuhr mein Ding, bekam dabei nicht früh genug mit, dass er auf trockenen Flaschen saß. Erst spät machte ich Stopp, wartete auf ihn und füllte ihm mit meinen Reserven die Flaschen. Ich konnte seinen Ärger nachvollziehen, schließlich erging es mir am Colle San Carlo und auf dem Rückweg vom Iseran ähnlich.

Sonnenterrasse am MadeleineErneut am Madeleine-Pass angekommen, begaben wir uns auf die Sonnenterrasse und genossen bei einer eiskalten Cola das Panorama und den Flair, den dieser Tour Klassiker versprühte. Voller Stolz und Freude über unsere Leistung nahmen wir gelassen die Abfahrt auf und kamen sehr zufrieden am geparkten Auto an.

 

(Bericht: Jens)