Rennrad-Fieber
 
Samstag, 4. Februar 2012
Frankreich - Tour 5

Profil der fünften Tour

L´Alpe d´Huez lässt grüßen

La Plagne

47 km - 1410 Hm 

 

La Plagne beginnt im RegenErschlagen und überwältigt von der gestrigen Etappe lagen wir an diesem morgen etwas länger in den Federn. Ein kurzes Erwachen zum Schlage der Kirchturmuhr um 7 Uhr und der damit verbundene Blick aus dem Fenster reichten zwar aus, um an eine heutige Etappe zu denken, doch das bis dahin trockene Wetter sollte sich eigentlich noch ändern. So schlief ich also wieder ein und ließ die vergangenen Erlebnisse in Ruhe auf mich wirken. Als wir uns dann schließlich doch zu einem Frühstück aufrafften, stießen wir bei einem Thema mit unseren Ansichten aneinander und sorgten so für eine unschöne, angespannte Atmosphäre, die in dieser kleinen Ferienwohnung mehr und mehr zu kochen begann und nicht entweichen konnte. Wir stellten die Weichen auf Tourstart und begannen in unheimlicher Stille die Sachen vorzubereiten.

Wir wollten kurz vor Zwölf gerade das Haus verlassen, als der Regen über Landry hereinbrach. Gerade jetzt sehr unpassend! In voller Fahrradmontur warteten wir den kräftigen Schauer ab und brachen kurze Zeit später bei leichtem Nieselregen Richtung Mâcot auf, jener Richtung, wo das Wetter herzukommen schien und nun eigentlich Gutes verhieß. Erstes Ziel unserer Ausfahrt sollte La Plagne darstellen, erst danach wollten wir entscheiden, ob eine Weiterfahrt gewünscht wird.

Beste StraßenverhältnisseAls wir bei Mâcot in die Auffahrt einstiegen, hatte der Regen gänzlich aufgehört. Es hatte kaum abgekühlt und durch die relativ langsame Geschwindigkeit bei der Auffahrt konnte auch Spritzwasser von der Straße uns wenig anhaben. Direkt von Beginn an geht es mit ungefähr 8% den Berg hinauf, genau das richtige, um uns wieder “abzukühlen“. Die Straße schien gerade erst neu asphaltiert worden zu sein und war, auch wegen geringstem Verkehrsaufkommen, super zu befahren. Schon als ich die erste Beschilderung der Spitzkehre sehen konnte, zog Benni davon und es zeigte sich wie so oft das gleiche Bild. Ich suchte unbeirrt meinen Rhythmus und fuhr in niedrigem Bereich in die nächste Spitzkehre. Davon sollten noch etliche kommen, denn auf Nummer 20 in Kehre 1 folgte Nummer 19, und die Fortsetzung kann man sich jetzt wohl denken. Auch von dieser Beschilderung wussten wir vorab nichts, waren aber davon begeistert und dachten an Ähnlichkeiten zu L´Alpe d´Huez oder auch dem Grimselpass. Überhaupt: 17 Kilometer mit über 7% Steigung im Schnitt, 1200 Höhenmeter, 20 ausgeschilderte Kurven (mit Namen und selten auch einer Höhenangabe) können einem Vergleich mit L´Alpe d`Huez Stand halten (wobei natürlich der einzigartige, geschichtliche Mythos von L´Alpe d´Huez weltweit seinesgleichen sucht).

Beschilderung der KurvenNoch im unteren Teil begann es erneut zu nieseln, doch mit den Gedanken an die 30°C+ am Madeleine wirkte die Nässe wie die lang ersehnte Abkühlung und brachte uns nicht aus der Bahn. Gut so, denn schon nach 10 Minuten hatten die Regenwolken auch nichts mehr zu bieten. Benni war nun schon lange vorne und machte Jagd auf die Kurvenschilder, die er in seiner Kamera einfangen zu versuchte. Hätten dann auf einem Parkplatz keine zwei Franzosen gestanden, die mir „Bravo!“ zujubelten, so wäre ich wohl bis ans Ziel in gemütlichem Trott gerollt. Doch irgendwie weckte dieser Zuruf wieder so richtig die Lust. Ich packte meinen Lenker, ging in den Wiegetritt und fuhr die verbliebenen 600 Hm in dieser Position entschlossen bis nach La Plagne.

Ausblick auf das Isere TalBenni setzte unbeirrt seine starke Auffahrt fort, machte weiterhin Fotos von den Beschilderungen und zeigte sich unüberrascht, als ich ihn passierte. Vorbei an der Bobbahn, wo 1992 (Albertville) einige Olympische Disziplinen ausgetragen wurden, erreichten wir Plagne 1800, kaum zu erraten in 1800 Meter Höhe. Ab hier beginnt der nicht so schöne Teil der Auffahrt, denn man befindet sich nun mitten im Skigebiet “La Plagne“, dass im Sommer jeglichen Reiz verliert und nur als Baustelle, Bettenhochburg und Liftnetz zu überzeugen versucht. Wir wollten bis nach ganz oben, genauer gesagt bis nach Aime-La-Plagne in ca. 2100 Meter Höhe. Es war einfach nur der Wille und die Hoffnung auf eine grandiose Aussicht, die uns weiter durch die “Architekturfehler“ von La Plagne trieben. Leider mussten wir mit einem wolkenverhangenen Himmel vorlieb nehmen und konnten nur erahnen, wie herrlich das Panorama bei einem Wetter ähnlich der vergangenen Tage sein musste. Na ja, immerhin war die Auffahrt sportlich gesehen für den Radfahrer ein Highlight, was uns weitgehend vertröstete. Wieder etwas weiter unten suchten wir ein Ortsschild, da ein Passschild nun mal nicht zu erwarten sein konnte, und machten die Erinnerungs- bzw. Beweisfotos. Dann stürzten wir uns in die Abfahrt und freuten uns über eine komplett trockene Straße.

Benni in La PlagneSchon in La Plagne schien die Entscheidung getroffen worden zu sein, dass wir danach direkt zurück in die Wohnung fahren würden. Die Beine schienen zwar unbeeindruckt und bereit für weitere Höhenmeter, doch wir beendeten die Tour nach “lediglich“ 47 Kilometern. Ein Schauer hätte unsere Entscheidung untermauert und für bestes Gewissen gesorgt, doch leider zeigte sich im weiteren Tagesverlauf einiger blauer Himmel und auch die Sonne schaffte noch den Durchbruch. Nun war es leider zu spät, wir schon geduscht und mit wenig Lust, noch einmal aufzubrechen. Schade, hätten wir es doch nur vorher gewusst, so wäre auch bestimmt Les Arcs hier nicht ohne Bau-Kritik geblieben! So gingen wir die verbliebenen Stunden ruhig an, kochten leckere Dinge und füllten die geleerten Speicher mehr als nur auf. Vielleicht könne sich die Ruhephase aber auch vorteilhaft für die morgigen Vorhaben erweisen, wo es erneut in ein riesiges Skigebiet gehen sollte.

 

 

(Bericht: Jens)