Rennrad-Fieber
 
Samstag, 4. Februar 2012
Die Tage davor

Schon wieder ein Knie...

Die ungewissen Tage vor unserem letztjährigen Schweiz Urlaub sind noch in guter Erinnerung, die Probleme mit Benni´s Knie reichten bis zum Abfahrtstag und zwangen uns fast, den Urlaub in letzter Sekunde umzuplanen oder sogar ganz abzusagen. Dieses Jahr wollten wir mit solchen Problemen eigentlich nicht konfrontiert werden, doch wie vom Pech verfolgt, kam es letztlich ähnlich unerwartet und heftig wie im Jahre zuvor. Einzig und allein der Hauptbetroffene hat gewechselt, denn diesmal ist mein Knie nicht gerade in "Topform".

Die Planungen und Vorbereitungen auf unsere zweite Alpentour liefen erneut ziemlich reibungslos. Das Gebiet war mit einigen Passstraßen schnell abgesteckt, die Touren wurden geplant und Bourge St. Maurice stand als Ausgangspunkt fest. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft waren wir von der doch sehr übersichtlichen Anzahl etwas überrascht, aber schließlich konnten wir eine Ferienwohnung in der Nachbargemeide Landry dingfest machen.
Parallel dazu kamen wir durch unser gutes Wintertraining und die nun regelmäßigen Touren immer besser in Form und sahen sehr zuversichtlich den Hochgebirgstouren entgegen.

Doch schon im März kündigte sich an, was leider erst jetzt so kurz vor Frankreich seinen Höhepunkt erreichte: Schmerzen in meinem linken Knie. Eine Tour mit einem Kollegen im kühlen März hätte mir eigentlich zu verstehen geben sollen, dass irgendetwas nicht stimmt, denn leichte, stechende Schmerzen machten mir bergauf zu schaffen. Ich schob das Problem aber vor mir her, auch auf Grund der Tatsache, dass die Schmerzen abseits des Fahrrads nicht gegenwärtig waren. Auch eine weitere Tour, bei der ich schmerzhaft aufgeben musste und von Benni und einem anderen Kollegen teils nach Hause geschoben wurde, veranlassten mich nicht, einen Arzt aufzusuchen. Ich schob das Problem auf eine zuvor falsch vorgenommene Sitzpositonsänderung, die durch Überlastung diese schmerzhaften Auswirkungen zeigte. Diese Vermutungen lagen auf der Hand und waren gewiss korrekt, deren Behebung konnte die Probleme aber nur eine Zeit lang überbrücken. Ich nahm eine professionelle Sitzeinstellung beim Citybike in Darmstadt vor und begnügte mich in der anschließenden Zeit, kurz, flach und mit hoher Trittfrequenz zu fahren. Nach und nach wurde das Fahrgefühl immer besser und auch steilere Auffahrten standen schmerzfrei auf meinem Programm. Ich glaubte, das Problem soweit im Griff zu haben.
Doch schon vor unserer Schwarzwald-Tour änderte sich dies wieder. Die 3 Tage im Schwarzwald waren dann zwar größtenteils schmerzfrei, aber ein leichter, gerade bergauf einsetzender Schmerz gab zu erkennen, dass die Toleranz-Grenze des Knies so langsam überschritten wurde. Das Rennrad-Fieber und auch die fast tägliche Aufforderung zu Fahren von Benni, ließen mich noch oft auf dem Rennrad sitzen. Aber besser wurde es keineswegs.

Ich wollte jetzt aber endlich Gewissheit und mich dem Problem stellen, schließlich kam Frankreich immer näher. Ein Arztbesuch und anschließendes MRT standen auf dem Programm, doch welch eine Quälerei, Termine für Beiderlei einigermaßen zeitnah zu bekommen. Wohl dem, der privatversichert ist...
Ein Folgetermin bei meinem Orthopäden war auch nicht zu bekommen, worauf ich mir eine neue Adresse suchte und diese hoffnungsvoll ansteuerte. Dahingehend wurde ich auch nicht enttäuscht, doch MRT Bilder und Befund wurden direkt mal in den Müll getreten. Nun lebe ich seit Juli mit der Diagnose, eine falsch ausgebildete Kniescheibe zu haben, die durch die andauernd hohe Belastung einseitig den Knorpel geschädigt hat. Punkt. Ui!
Maßnahmen: Bandage, Physiotherapie, leichte, aber viel Bewegung. Bandage ist schon Schnee von gestern, bei der Pedalbewegung scheuert diese extrem in der Kniekehle und ist viel schmerzhafter als jeder bisher da gewesene Schmerz. Ersatz stellen meine Knielinge dar, die ich wohl oder übel auch an warem Tagen tragen werde. Immerhin sind diese komfortabel und bereiten keinerlei Schmerzen. Die Physiotherapie läuft erst noch an, davon erhoffe ich mir aber Gewinnbringendes. Ähnlich ist es mit Heimgymnastik. Täglich mache ich Übungen, die das Knie bzw. dessen umgebende Muskulatur stärken sollen. Der Erfolg kommt nicht von heut auf morgen, aber gut tun diese Übungen allemal.

Bleibt der Blick auf Frankreich: Die anhaltenden Schmerzen vor dem Arztbesuch und auch nun die Diagnose ließen mich und auch Benni keineswegs ruhig schlafen. Die Angst über ein Absage der Frankreich Tour war gegenwärtig und eine gewisse Zeit wäre diese Maßnahme nur logische Konsequenz gewesen. Doch die letzten Tage und auch die riesige Vorfreude zeigen mir, dass dieser Urlaub nicht abgesagt werden muss. Bestimmt werde ich die Pässe nicht hochfliegen können und auch die geplanten Touren müssen nicht in jetzigem Umfang durchgezogen werden. Aber ich kann noch "kräftig" in die Pedale treten und hab momentan ein Gefühl, das Tendenz zum Positiven hin zeigt. Und nach Frankreich habe ich dann eh sehr viel für mein Studium zu tun, kann so also mit einer längeren Pause wieder richtig fit werden!

(Bericht: Jens)