Rennrad-Fieber
 
Samstag, 4. Februar 2012
Die Wette

Infiziert vom Rennrad-Fieber

Eigentlich geht die Geschichte vor einem Jahr (2006) an der Rödermärker Kerb los. Es wurde viel getrunken, wie soll es anders sein, Jens hatte noch nicht mal ein Rennrad und Benni lediglich 3000 Rennradkilometer in den Beinen. Zwei Freunde von uns haben die Lust am Bergsteigen für sich entdeckt und planten für dieses Jahr die Besteigung des Großglockner. Und was macht der angetrunkene Radsportler? Er fängt eine Wette an, dass er eben diesen Großglockner mit dem Rennrad befährt, sobald die zwei Freunde diesen bestiegen haben. Damit war auch klar, dass Jens ein Rennrad brauchte und wir im kommenden Jahr irgendwas in den Alpen verloren haben sollten.

Ende Februar war es dann soweit, Jens kaufte sich sein erstes Rennrad und wir konnten mit dem gemeinsamen Training beginnen. Neben unseren eigenen regelmäßigen Ausfahrten entdeckten wir die Radsportgruppe des Citybike in Darmstadt und fanden darin beste Gelegenheit und Motivation, zusätzlich jeden Samstag in einer Gruppe zu trainieren.  

 

Wollen wir nicht doch mal in die Alpen?
Immer wieder kam der Gedanke, mit dem Rennrad in die Alpen zu fahren, Pässe zu bezwingen, Höhenluft zu schnuppern. Nach und nach wurde es immer ernsthafter.

Der quaeldich.de Tourenplaner wurde runtergeladen und bis ins Detail ausprobiert, haufenweise Einträge in den RR-Foren wurden gemacht, um einen geeigneten Standpunkt in den Alpen zu finden. Folgende Kriterien grenzten das Ganze ein: Nach Frankreich wollten wir irgendwie nicht, vielleicht der Sprache wegen, Italien und Österreich waren auch nicht die Favoriten. Bleibt also noch die Schweiz! Mit dem Auto perfekt und relativ schnell zu erreichen, deutschsprachig und mit einer Alpenpassdichte, die ihresgleichen sucht. Somit ging die Suche nach einem geeignetem Standpunkt in der Schweiz los und relativ schnell war klar, dass Tiefencastel/Savognin und Andermatt beste Möglichkeiten bieten würden. Wir planten Tour für Tour, in unserem Eifer natürlich mit 150 km/Tag viel zu extrem.

 SchwarzwaldErstmal im Schwarzwald testen!
Gleichzeitig mit der Alpenplanung buchten wir zwei Tage im Schwarzwald, um dort unser Durchhaltevermögen im Sattel zu testen. Gerade mal zwei Tage am Stück fanden wir, an denen wir beide Zeit fanden und so sollte es am 19. und 20. Juli in den Schwarzwald gehen. Im Gasthaus Elfriede in Gernsbach nächtigten wir eine Nacht und fuhren so zwei wunderschöne Touren. Am Ende standen 143km und 120km mit insgesamt knapp 5500Hm quer durch den Schwarzwald auf dem Tacho. Dabei eroberten wir Berge wie den Hohloh oder die Hornigsrinde. Die Teufelsmühle wäre auch unser gewesen, wenn wir den richtigen Weg gefunden hätten! Auch bei 30°C und brennender Sonne lief es gut und die Höhenmeter stellten kein Problem dar. Somit konnte die Planung getrost weitergehen. 

Kein zurück mehr...

Wir buchten die Ferienwohnungen in Savognin (in Tiefencastel war nichts zu finden) für 4 und in Andermatt für 3 Nächte. Mit der zu leistenden Anzahlung gab es ab sofort kein zurück mehr. Also weiter fleißig tranieren, zwischenzeitliche Erkältungen aussitzen und die Touren Tag für Tag wieder verändern. Die letzte Version der Touren sah dann wie folgt aus:

 

TagGeplante StreckeDistanz und Höhenmeter
Fr, 31.08.07Lenzerheide, Arosa und über Bonaduz und Thusis zurück nach Savognin126,4 km
2.571Hm
Sa, 01.09.07Mit dem Auto nach Filisur, um von dort die Albula-Flüela-Runde in Angriff zu nehmen117,4 km
2.473 Hm
So, 02.09.07Mit dem Auto nach Thusis, dann die Straßenbaukunst am Splügenpass und der Geheimtipp Juf106,6 km
2.369 Hm
Mo, 03.09.07Ruhetag, Rauf zum Julierpass und zurück, Überführung in die zweite Ferienwohnung in Andermatt53,4 km
1.084 Hm
Di, 04.09.07Atemberaubende Königsetappe: Sustenpass, Grimselpass und Furkapass117,6 km
3.528 Hm
Mi, 05.09.07Sägezahnprofil: Oberalp, Lukmanier und über Oberalp zurück102,2 km
2.328 Hm
Do, 06.09.07Tal des Zitterns: Furkapass, der extrem steile Nufenenpass und das legendäre Val Tremola103,6 km
3.090 Hm

 

In der Summe 726,8 km mit 17.443 Höhenmetern

So sollte es laufen, doch eigentlich hätten wir wissen müssen, dass es niemals exakt nach Plan laufen wird! Ohne Einfluss auf Wetter, die körperliche Fitness oder das Material bleibt immer noch abzuwarten, ob wir diese Planung so durchziehen könnten. 


Der Schock eine Woche vor Abfahrt
Die Vorbereitung lief super, bis eine Woche vor Abfahrt hatten wir knapp 6000km dieses Jahr in den Beinen und konnten problemlos mehrere Tage in Folge sehr lange und hügelige Strecken fahren. Benni fuhr seine erste 200er Tour, die Halfpipe im Taunus, bei der man zunächst zum Hoherodskopf im Vogelsberg und am Ende noch zum Großen Feldberg radelt. Dies ergibt knapp 2500Hm auf mehr als 200km! Die letzte längere Tour sollte uns über Neunkichen und Krehberg auf Melibokus und Felsberg führen, also über sehr steile Anstiege. Auf dem Rückweg im Modautal bekam Benni dann stechende Schmerzen in der linken Kniekehle. Trotzdem fuhren wir normal nach Hause in dem Gedanken, dies komme von der Belastung und geht in den nächsten Tagen weg. Schließlich wollten wir auch noch zum Königstuhl und Weißen Stein zwei Tage später. Doch die Schmerzen ließen in den Tagen nicht wirklich nach und ein "Schnappen" im linken Knie blieb auch nach der Alpentour erhalten. 
Posing 


Hat es sich ausgeträumt?

Jeden Tag kam die Gewissheit näher, dass Benni nicht mitfahren könnte. Jens wollte dies bis zur Abfahrt nicht wahrhaben und überredete ihn immer wieder, es doch zu probieren. Aber vorerst vergeblich. Als Jens dann einen anderen Mitstreiter gefunden hatte, der mitfahren könnte, kam bei uns beiden ein doch komisches Gefühl auf. Diese Fahrt ist doch unser "Baby", da muss Benni einfach mit! Und so schonte er sich bis zum Abreisetag, pumpte sich voll mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln und tat alles für ein fittes Knie.

Am Mittwoch vor der Abfahrt trafen wir uns also doch am Supermarkt, machten die letzten Einkäufe, checkten die Rennräder durch und packten unsere Taschen. Am nächsten Tag sollte es los gehen, Treffpunkt 9.30 Uhr bei Benni.