Rennrad-Fieber
 
Samstag, 4. Februar 2012
Tour 5

Tour 5 - Dienstag, 04.09.2007 - 40km, 700Hm
Der Schein trügt...

Nach dem spätsommerlichen gestrigen Tag im Valsertal und der anschließenden Autoüberfahrt in das Quartier in Andermatt sollte uns heute ein völlig anderes Wetter begleiten. Schon der frühmorgenliche Blick auf das Außenthermometer ließ böses erahnen: um die 2°C! Na schön, erstmal aufstehen, mit einem kompletten Biker-Frühstück wach werden und stets darauf hoffen, dass die Temperatur auf der Skala nach oben steigt! Es tat sich wenig, aber immerhin war es  trocken und der Himmel schenkte uns den Glauben, dass sich an dieser Situation vorerst auch nichts ändern würde.

Kommando Zwiebelprinzip

Temperaturen um den Gefrierpunkt, na und, für was haben wir all die winterlichen Klamotten eingepackt? Also kurze Hose in den Schrank, lange Winterhose, Überschuhe, Windjacke und Buff an den Körper. Irgendwie ein komisches Gefühl, schließlich waren wir am gestrigen Tag noch im Sommeroutfit unterwegs.

Nun aber war die Haut durch eine Klamotten-Zwiebelschale geschützt, in der Hoffnung dem eisigen Wind trotzen zu können.

Also konnte es los gehen: Trinkflaschen befüllen, Riegel verstauen, Fahrrad aus der Garage holen, letzter Check - Abfahrt!

 
 

  Der Oberalppass
Kurze Rampe vom Haus nach unten und schon stehen wir am Anfang des Anstieges zum Oberalppass. Dieser verbindet Disentis in Graubünden mit Andermatt (Kanton Uri). Ein 11km langer Anstieg, bei dem 600 Hm überwunden werden müssen um schließlich das Passschild in einer Höhe von 2046m ü.n.N. zu erreichen. Die ersten Kilometer liefen ganz gut, hier galt es erstmal richtig warm zu werden und einen guten Tritt zu finden. Etliche Kehren und die stets neben der Straße verlaufende Zahnradbahn bestimmen das anfängliche Bild des Oberalppasses. Erdrückend schon hier der Wind, der sich zwischen jeder zweiten Kehre dem Körper entgegenstemmte. 
  

Kein zurück mehr...

Mit jedem gewonnenen Höhenmeter zog sich der bis dahin noch blau befleckte Himmel zu, es wurde immer grauer. Kein Panorama, kein Motiv für ein schönes Alpenbild, also volle Konzentration auf den Tritt. Doch schon kurze Zeit später sollte diese Konzentration gestört werden, denn leichte Regentropfen verließen das Grau. Der Regen wurde stärker, kurze Überlegung wie es nun weitergehen sollte: Umkehren und sich augenblicklich in die Abfahrt begeben, die vielleicht schon sehr bald einer Rutschpartie gleichen würde oder die verbleibenden Höhenmeter ohne Rutschgefahr, dafür nicht ganz trocken erleben.

Klar das wir uns für letzteres entschieden, doch spätestens auf der endlos erscheinenden ansteigenden Geraden, wo der Regen nun eisig von vorne und der Seite ins Gesicht peitschte, überdachten wir die Wahl. Aber jetzt gab es kein Zurück!

  
 
 

Staunende Blicke

Die letzten Meter der Geraden, die nun neben einem kleinen See vorbei lief, sollten zu den schlimmsten werden. Der Wind drückte einen immer wieder nach hinten, der Regen hatte sich zu Eis und Schnee gewandelt. Auf einer Strecke, völlig ungeschützt, waren wir den nun folgenden Windböen hilflos ausgesetzt. Das rechte Ohr von unzähligen Eiskörnern gepeinigt, die Hände frierend, versuchten wir den Windböen Stand zu halten und die vor uns liegende Galerieeinfahrt zu erreichen, die Schutz vor der Wettermacht zu versprechen schenkte. Wenige Meter neben der Straßte bummelte die Zahnradbahn entlang, die von nun erstaunt schauenden Menschen besetzt war, als sie uns erblickten.

Und tatsächlich, kaum rollten wir in die Galerie ein, wurde es erträglicher. Nun auch endlich Gelegenheit, sich die in der Jackentasche befindlichen Handschuhe anzuziehen. Es war fast geschafft, die recht ebene Galerie ermöglichte eine Geschwindigkeit, welche die noch wenigen Höhenmeter außerhalb zügig bewältigen ließ. 

Weiße Welt
Auf der Passhöhe bot sich ein weißes Bild. Man hätte meinen können, im Winterurlaub zu sein. Lediglich das Sportgerät passte nicht zu diesem Eindruck. Schnee im September, für diese Region bei weitem nicht so ungewohnt wie für unser eins. Wir mussten ihn anfassen, um es glauben zu können. Nun noch schnell zum Passschild, ohne Foto würde uns doch ehh niemand die Auffahrt bei diesem Wetter glauben. Dann schnell ins Passrestaurant. Die Getränke in den Flaschen waren vergessen, heiße Schokolade musste her und die war auch richtig lecker. Aufgewärmt und gestärkt kamen Gedanken über das nun folgende Programm auf. Wind und Regen hatten uns ganz schon verängstigt, die Zahnradbahn lockte auf eine warme und sichere Abfahrt. Die Information auf eine drei stündige Wartezeit und der nachlassende Regen ließen diese Möglichkeit aber auch wieder vergessen. Der Entschluss stand fest: Abfahrt nach Andermatt, dem Wetter angemessenes Tempo. 

 

Trockene Abfahrt

Und diesmal stand das Glück auf unserer Seite, denn die Straße war vom tobenden Wind trocken geblasen worden. Also doch noch eine sichere Abfahrt, wenn auch nicht so warm wie in der Bahn. In Andermatt bot sich dann ein Bild wie am frühen morgen: Trocken, kalt, blaue Flecken am Himmel - aber der Schein trügt halt! 

Um zumindest die 40km Marke am heutigen Tag zu knacken, rollten wir mit kräftigem Rückenwind von Andermatt nach Realp, dem Start zum Furkapass, der am nächsten Tag bewältigt werden sollte. Heute aber nicht, also 180° und nun gegen den Wind zurück nach Andermatt.

 

Morgen muss es einfach klappen...

Zurück in unserer Ferienwohnung erfreuten wir uns einer warmen Dusche und einer stärkenden Mahlzeit. Den restlichen Tag verbrachten wir etwas enttäuscht, hervorgerufen durch den Tourabbruch und die damit verbundene Absage an Lukmanierpass und die Ostanfahrt des Oberalppasses, in unserer Ferienwohnung. Doch am nächsten Tag wollen wir erneut angreifen und der wohl auch dann herschenden Kälte auf dem Furkapass trotzen.