Rennrad-Fieber
 
Samstag, 4. Februar 2012
Tour 7

Tour 7 - Donnerstag, 06.09.2007 - 125km, 3600Hm
Ohne diese Tour fahren wir nicht nach Hause...

 

An diesem Tag galt das Prinzip: Alles oder Nichts. Die Temperaturen waren nicht unbedingt wärmer als am Tag zuvor, doch der Wind ließ ein wenig nach und die Sonne fand zu alter Stärke zurück. Die Königsetappe stand auf dem Plan, egal welche Runde wir fahren würden. Schließlich konnte Benni sich durchsetzen und wir fuhren die wahrscheinlich weitaus ansprechendere Etappe über den Sustenpass. Gelernt haben wir mal wieder, dass Aldi-Handschuhe vielleicht für den Odenwald halten, aber in den Alpen hat man damit nichts verloren. Nun liegen hier schon neue Windstopper-Handschuhe, keineswegs von Aldi. Ohne diese Tour konnten wir einfach nicht nach Hause fahren! 

Die letzten Sachen packen

Es ist nicht nur der Tag der letzten Tour, sondern leider auch unser Abreisetag. Also diesmal Wecker um sieben Uhr gestellt und direkt die Sachen fertig gepackt. Diesmal musste keiner zum Bäcker rollen, wir hatten noch genug Brot zum futtern. Nach einem kräftigen Frühstück spülten wir das Geschirr und fingen an, das Auto einzuladen. Nun war das Studio wieder aufgeräumt, einzig die Fahrradklamotten lagen noch herum. Große Mengen, die an den Körper kommen sollten, um nicht noch mal dem Schicksal des gestrigen Tages zu erleiden. "Wir ziehen das Ding durch", davon waren wir fest überzeugt... ob die Beine mitmachen würden, war die andere Frage.
 
 

Zum zweiten Mal hinauf zum Furkapass

Um 10 Uhr saßen wir auf den Rädern, das Auto durften wir noch den ganzen Tag vor unserem Quartier stehen lassen, und spürten eine traumatische Kälte, aber heute sollten wir zurückschlagen! Wieder ging es mit kräftig Mitwind nach Realp. Diesmal fuhr Benni im unteren Teil des Furka langsamer und das zahlte sich aus. Auf der ewig langen geraden hinauf zur Passhöhe lief es besser. Wir machten wenige Fotos, waren schließlich am Vortag schon hier, und hielten kurz am Hotel Furkablick. Windgeschützt machten wir uns schon hier fertig für die Abfahrt, um am Passschild nur schnell das obligatorische Passfoto machen zu müssen. Diese Taktik zahlte sich aus, wir konnten es mit knapp 85 Sachen in der Abfahrt krachen lassen und befanden uns plötzlich schon im Anstieg zum Grimsel. Die Hände sind zwar wieder sehr kalt geworden, aber es war auszuhalten.

Die 6 Kehren hinauf zum Grimsel

Der Anblick des Grimselpass von der Furkapassabfahrt aus lässt wieder Gänsehaut bei uns aufkommen. Man könnte meinen, die Straßen seien einzig allein für den Rennradler gebaut. Von Gletsch sind es nur 400Hm hinauf zum Grimsel und durch die Kehren war dieser kurze Anstieg auch recht einfach. Zwischen jeder zweiten Kehre stürmte es wie wild. In Kehre 4 und Kehre 6 machten wir halt, um die wichtigsten Fotos von Furkapass und immer weiter zurück schmelzendem Rhonegletscher zu machen. Auf der letzten Geraden haben wir starken Mitwind und waren nach knapp 25 Minuten an der Passhöhe des Grimselpass. Es war schon deutlich wärmer, die Sonne machte fleißig ihren Job. Am Pass konnten wir uns mehr Zeit lassen und kurz die Landschaft genießen und festhalten. Dann schmissen wir uns in die 26km lange Abfahrt nach Innertkirchen.
 
 

Dem Seitenwind trotzen

Im oberen Teil der Abfahrt war es weiterhin sehr stürmisch und wir konnten teilweise nur 30 km/h fahren, obwohl es bergab ging. Wir mussten aufpassen, dass der Wind uns nicht umschmiss. Je tiefer wir kamen, desto angenehmer wurden die äußeren Bedingungen und wir konnten ordentlich Tempo machen. Man konnte meinen, es wäre Hochsommer, als uns zwei Rennradler in kurzer Hose und kurzem Oberteil entgegen kamen. Es sah auch nicht so aus, als hätten die zwei Kollegen noch viele Windklamotten dabei. Vielleicht machen wir was falsch.

 

 
In den Tunneln waren wir wie blind, durch die Sonnenbrille sah man gar nichts. In Innertkirchen war es sehr warm, die Höhe beträgt nur 600m ü. M. Leider war Mittagszeit und so fanden wir keinen geöffneten Supermarkt. Mit leeren Flaschen machten wir uns also auf den Weg zum Sustenpass: 27km mit 1600Hm. Wir ahnten noch nicht, was uns da erwarten würde.

Der Schönste Pass der Alpen?

Für den unteren Teil der Auffahrt waren wir definitiv zu warm angezogen. Lange Hose und dicke Jacke sind für den Anstieg verkehrt. Anfangs geht es recht flach durch ein wunderschönes Tal, doch im Hintergrund sehen wir schon die schneebedeckten Berge. An der Talstation einer Gondelbahn gab es endlich Flüssigkeits-Nachschub, den konnten wir bitter gebrauchen. Nach knapp der Hälfte des Anstieges beginnt es, steiler zu werden. Wir befinden uns nun im Wald und schlängeln uns durch Serpentinen, kurze Tunnel und viele Kurven irgendwie den Hang hoch. Benni's Kräfte schwanden, wie so oft in der Woche, langsam dahin. Am Hotel Steingletscher mussten wir erstmal halten und nen Riegel verdrücken, bevor es weiter ging. Weit im Hintergrund ist die Passhöhe zu erahnen, doch die Straße führt zunächst weg von dieser um später um 180° zu drehen. Der Ausblick war hier schon genial, es war weiß am Straßenrand und es wurde merklich kühler. 
  
An einem Reisebus bekamen wir sogar Verpflegung in Form von Kaffee oder Cola angeboten. Viele Augen waren auf uns gerichtet. Anscheinend waren wir heute am Sustenpass fast die einzigen Verrückten, die da hoch fuhren. Der letzte Kilometer zieht sich am Hang entlang, es ist steil und die Kraft war weg. Noch zwei Serpentinen und plötzlich taucht der Scheiteltunnel auf. Die Passhöhe war erreicht! Wir sind stolz auf die bisher vollbrachte Leistung, stellten die Räder im Schnee ab und machten das obligatorische Passfoto. Sicher waren wir, das schlimmste überstanden zu haben... nur wussten wir nichts von der Göschenenschlucht hinauf nach Andermatt!

 

Mit Highspeed nach Wassen

Die Abfahrt nach Wassen ist echt grandios. Spätestens hier hatte Jens begriffen, dass diese Runde die bessere Entscheidung war. Im oberen Teil gibt es ein paar Serpentinen, doch dann folgt diese unglaublich lange Gerade. Mit 70 km/h und mehr kann man die komplette Gerade durchfahren. Was für ein geiles Gefühl! Nur Autos konnten uns jetzt noch aufhalten. Sogar die vier Ferraris von vorhin sahen wir kurz vor Wassen wieder. Doch dann begann das leiden. Zunächst geht es flach Richtung Göschenen, wo wir nochmal die Getränke nachfüllten. Danach mussten wir uns bis Andermatt die steile und galerienreiche Straße mit vielen Verkehrsteilnehmern teilen. Die Schlucht ist echt beeindruckend, aber mit schwindenden Kräften und viel Verkehr die Galerien hoch zu fahren, ist kein Spaß. Als in der letzten Galerie das Ortsschild von Andermatt sichtbar wurde, schrien wir den Tunnel vor Freude zusammen. 125 km mit ca. 3600Hm standen auf dem Tacho. Die Endorphine fingen direkt an zu sprudeln. Bei Eiseskälte, aber super Wetter haben wir diese extreme Runde hinter uns gebracht.

Die Heimfahrt

Wir durften sogar noch mal in die Wohnung, um uns in Ruhe umzuziehen und frisch zu machen. Um 18 Uhr konnten wir dann doch voller Stolz die Heimreise nach Deutschland antreten. In Andermatt kaufte Jens noch Käse für die Familie und dann machten wir uns auf den Weg nach Basel. Ab da galt die Suche nach einem großen leuchtenden M neben der Autobahn, doch eine Stunde lang fanden wir nichts dergleichen. Um 21.30 Uhr endlich konnten wir die komplett leeren Mägen mit vielen Burgern sättigen. Leider regnete es auf dem Heimweg, es war dunkel und neblig. Kurz nach Mitternacht erreichten wir sicher Rödermark und unsere Wege trennten sich vorerst wieder!