Kälte auf dem Sägezahnprofil...Andermatt - Oberalppass - Lukmanierpass - Oberalppass - Andermatt: 104 km, 2520 Hm Nach total verregnetem Montag, der nicht einen einzige Kilometer auf dem Rad zugelassen hätte, waren die Aussichten für heute wieder besser. Mit Blick auf fast trockene Straßen und leichte weiße Wolke, versprach dieser Tag endlich eine größere Tour möglich zu machen. Einzig das Thermometer war noch verfroren, Temperaturen um die 10 °C ließen uns nicht in Sommerkleidung aus dem Hause marschieren. Vorgenommen hatten wir uns für den heutigen Tag die Runde über Oberalp- und Lukmanierpass, der Rückweg sollte das Val Tremola hinauf über den St. Gotthard darstellen. Begeistert von diesen Gedanken ging es auf den Oberalppass, doch mit Bilck auf die geplanten 155 km hielten wir Tacho- und Pulsmesser genau im Auge. So konnten wir bei angenehmen Tempo jene Auffahrt erleben, die wir 2007 nur bei Wintersturm und Eiseskälte überfahren hatten. Warm war es heute auch nicht gerade, doch mit der passenden Ausrüstung konnten wir die Randbedingungen gut vertragen. In der Nähe des Oberalpsees angekommen, kam uns auch schon der rote Glacier Express entgegen. Doch diesmal hielten sich die verdutzten Gesichter von Passagieren stark in Grenzen, schließlich waren keine Schneeflocken zu sehen.
In aller Ruhe posierten wir vor dem Passschild und legten die mitgeschleppten Windschutzklamotten für die Abfahrt an. Doch schon in der ersten Kurve war zumindes ich erhitzt, da mein Hinterrad leicht zuckte. Keineswegs Zeit zum Verschnauffen ließ die weitere Abfahrt, da sich das sichere Überholen von Touren Fahrern als schwere Aufgabe darstellte. Zu hektisch, unaufmerksam und nicht konsequent rollten mehrere Radler den Pass richtung Disentis hinunter. Heil dort angekommen, umschwärmten uns endlich wärmere Temperaturen. Gerade der Anfang vom Lukmanierpass wurde so zu einem heißen Unterfangen, da taten die anfänglichen Tunnel doch richtig gut. In flottem Tempo flogen wir auf einen Einzelstreiter auf, vor ihm weitere Radfahrer in Sicht. Es ging über eine steile Kurvenkombination in das nächste Blickfeld des Lukmanieranstieges, wo sich nun mehrere Rennradfahrer vor uns gruppierten. Wir rollten langsam näher und beschlossen schließlich, dem eher ruhigen Tempo dieser Gruppe ein paar Kilometer zu folgen. Und siehe da: Deutsche! Aus Freiburg und mit Verpflegungsauto ging es für sie nur noch über den Lukmanierpass bis nach Airolo. Wir tauschten einige Geschichten aus und konnten die Auffahrt bei leichtem Rückenwind genießen. Doch wie leicht dieser Rückenwind wirklich war, merkten wir erst auf der Abfahrt, die nicht wie ursprünglich geplant nach Airolo, sondern zurück nach Disentis gehen sollte. Ganz entgegen meinen Hoffnungen spielte die Gesundheit von Benni nur in soweit mit, dass er den vermeintlich leichteren Rückweg über die gleiche Strecke bevorzugte. So kämpften wir uns bei heftigen Böen den Lukmanierpass nach unten, eine Geschwindigkeit auf einer Passabfahrt kaum über 50 km/h erklärt wohl einiges. Zurück in Disentis mussten wir sogar die Sonnencreme auspacken und nachcremen. Die Sonne meinte es gut mit uns und begleitete uns auf den ersten Kilometern hinauf zum Oberalppass. Die im unteren Teil recht flache Auffahrt ging sehr gut aus den Beinen, keine größere Rampe ist zu bewältigen. Doch beim erreichen des letzten Serpentinenhanges, der diese Auffahrt doch noch zum echten Hingucker macht, rasselten die Körner schnell aus den Beinen. Im Schatten der Berge ging es steil hinauf, die Temperaturen sanken rapide. Die schon leicht ermüdete Muskulatur, schließlich war der bis dahin zurückgelegte Weg auch kein Spaziergang, konnte bei der Kälte immer schwerer Arbeiten. Die letzten Meter wurden zur leichten Qual, eine Freude dann endlich in Reichweite die Häuser auf der Passhöhe zu erblicken. Richtig vermummt gingen wir in die Abfahrt, die wahrhaftig mit ihren (im unteren Teil) zahlreichen, mit großen Radien versehenen Kurven bei uns punkten konnte. Zu Hause in der Ferienwohnung blickten wir bei der Auswertung auf das Sägezahnprofil der heutigen Tour zurück, das wir eigentlich schon 2007 abfahren wollten.
(Bericht: Jens) |