Rennrad-Fieber
 
Sonntag, 5. September 2010
Doping-Statement

Der Glaube an das gute im Menschen

Es ist traurig zu hören, was gerade wieder in den Medien läuft. Mit Team Gerolsteiner ist es nun endgültig vorbei, Hans-Michael Holczer hat genug, nur kann mir keiner erzählen, dass er von nichts eine Ahnung hatte. Ich habe mitgefiebert mit Bernard Kohl bei der Tour de France, seine Fahrweise hat mir imponiert und sympathisch schien dieser junge Kerl auch noch. Und doch ist er nur eines dieser ‚Piiiiep’, die in der Denkstube jegliche grauen Zellen abgestellt haben und mit illegalen und unfairen Mitteln die Konkurrenz in Schach halten zu versuchen. Über Stefan Schumacher braucht man nicht viel sagen, nach dem ersten Sieg im Zeitfahren bei der Tour de France hätte man ihn ohne zögern rausschmeißen sollen. Man schlägt nicht einfach einen Cancellara (ob der wohl sauber ist) in seiner Königsdisziplin.

Auch Jan Ullrich habe ich sehr geachtet, jede Tour de France verfolgt, mich begeistert über seine Zeitfahrleistungen und mich endlos gefreut, wenn er es ein seltenes Mal schaffte, den „großen“ (Dopingmeister) Lance Armstrong an den Kult-Anstiegen der Tour de France abzuhängen. Ob er gedopt hat ist mir relativ egal, wahrscheinlich hat er, wie all die anderen (Basso, Ricco, Mayo, Bölts, Aldag, Riis, Zebel, Jaksche, Pieopoli und endlose mehr), trotzdem war er ein großes Vorbild.

Beim Namen Alberto Contador könnte ich kotzen, genauso, wie bei der Rückkehr von Dopingass Lance Armstrong. Sollte es so geschehen, dann ist der absolute Höhepunkt dieser ganzen Farce erreicht. Dennoch schaue ich auch weiterhin gerne die Übertragungen im Radsport, da die überlieferten Bilder und das zu sehende Material schon Grund genug ist, den Fernseher einzuschalten. Ich möchte die Aufnahmen der glorreichen Tour de France – Anstiege nicht missen, zumal ich selber auf den Geschmack gekommen bin, Pässe hinauf zu klettern und mich zu quälen, immer in Gedanken an die Belohnung einer rasanten Abfahrt und grandiosen Aussicht.

 

Aber warum schreibe ich das hier? Naja, ich studiere Biologie mit den Schwerpunkten Biochemie, Genetik und Pflanzenphys, interessiere mich für Molekularbiologie und die genauen Abläufe hinter den Wirkungsmechanismen mancher Substanzen und möchte hier kurz ein paar Daten über EPO zusammenfassen, damit man etwas besser nachvollziehen kann, was es nun wirklich damit auf sich hat.

Woher habe ich diese Informationen? Natürlich aus Wikipedia, und zwar aus einem Exzellenz-Artikel mit mehr als genug Infos zu EPO, dessen biologische Wirkung, seine Derivate und Präparate und die komplette Dopinggeschichte (nicht nur im Radsport).

 

EPO ist die Abkürzung für Erythroproetin, ein Wachstumsfaktor (Hormon), der die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) aus Stammzellen des Knochenmarks stimuliert. Diese besitzen eine spezifische „Andockstelle“ (Rezeptor) für EPO auf ihrer Zelloberfläche. EPO gehört zu den Erythropoesis Stimulating Agents (ESA) und wird als MEDIKAMENT zur Therapie von Blutarmut (Anämie) oder nach aggressiver Chemotherapie eingesetzt. Bei vermindertem Sauerstoffgehalt im Blut (Hypoxie) werden Transkriptionsfaktoren gebildet, die wiederum die Herstellung (Biosynthese) des EPO stimulieren. Hauptbildungsorte sind Leber und Niere. Wichtig ist die Halbwertszeit im Blut, die zwischen 2 und 13 Stunden beträgt.

 

EPO als Medikament: Was hat es mit den verschiedenen EPO-Präparaten auf sich?

Wie schon oben erwähnt, kein Forscher oder Wissenschaftler stellt Erythroproetin für den Missbrauch als Dopingmittel her. Es geht hier um die Behandlung verschiedenster Krankheiten / Symptome wie z.B. Blutarmut, Anämie in Folge von Chemotherapie, Schlaganfall, Schizophrenie etc. Dafür forschen viele führende Pharmaunternehmen an EPO, um dieses durch Modifikationen oder Herstellung in verschiedensten Zelllinien stabiler (höhere Halbwertszeit) oder affiner für den EPO-Rezeptor zu machen.

 

Was ist CERA, dass „Wundermittel für Schumi und co.“?

CERA bedeutet Continuous Erythroproiesis Rezeptor Activator und ist ein EPO-Derivat, das in Zellen aus den Ovarien chinesischer Hamster (CHO-Zellen, chinese hamster ovary) hergestellt und gewonnen wird. Durch eine so genannte PEGylierung (anfügen eines Polymer (Methoxypolyethylenglycophosphat) an verschiedene Aminosäuren (Bestandteile) des Proteins) wird die Größe (Molekulargewicht MG) sowie die Halbwertszeit im Blut erhöht. Letztere beträgt bei CERA ca. 133 h, also rund fünf Tage. Die Bindung an den EPO-Rezeptor ist schwächer als beim natürlichen EPO. CERA wird unter dem Handelsnamen MIRCERA von Hoffman – La Roche vertrieben.

Auch CERA wurde für die Therapie einer Krankheit, des Non-Hodgkin-Lymphons, entwickelt und befindet sich mittlerweile in der klinischen Phase III. Weitere Präparate wie ein Inhalationsspray mit an einen Teil eines Antikörpers gekoppeltes EPO oder CEPO (carbamyliertes EPO) wurden ebenfalls für die Therapie bestimmter Krankheiten entwickelt.

 

EPO-Doping – durch seine Wirkung unvermeidbar

EPO sorgt für eine erhöhte Anzahl an Erythrozyten im Blut, es kann mehr Sauerstoff transportiert werden und somit mehr Leistung erbracht werden. Klar also, dass ein Missbrauch als Dopingmittel auf der Hand liegt, weswegen EPO seit 1990 auf der Dopingliste der WADA steht. Über die Gefahren (Blutgerinnsel auf Grund des dickeren Blutes) sind sich die meisten Leistungssportler wohl nicht bewusst, auch nicht darüber, dass es durchaus molekularbiologische abundante Methoden gibt, EPO-Doping nachzuweisen. Von der Theorie her ist es relativ simpel, die unterschiedliche Zuckerzusammensetzung von rekombinantem EPO und humanem EPO zu unterscheiden. Ein wirkliches Nachweisproblem entsteht dann, wenn mit einer humanisierten Form von EPO gedopt wird. Diese kann schlecht bzw. überhaupt nicht nachgewiesen werden. Einzig auffällige Blutwerte (z.B. Hämatokrit) geben ein Indiz für EPO-Missbrauch.

(von: snowbenji)